Zur Regionspräsidenten-Stichwahl am 15. Juni 2014 – Antworten zu ÖPNV-Fragen

Am 15. Juni 2014 findet die Stichwahl zum Amt des Regions­präsidenten Hannover statt. Wir haben die sechs Kandidaten gefragt, wie sie verschiedene ÖPNV-Themen bewerten. Dazu wurden alle mit einem Brief angeschrieben, der folgende fünf Fragen enthielt:

1. Experten und die Üstra haben dem geplanten „Projekt Zehn Siebzehn” (D-Linie) vor allem wegen der unzu­reichenden Wende­kapazitäten mangelnde Zukunfts­fähigkeit vorgeworfen. Wie wollen Sie gewähr­leisten, dass abzu­sehende Erweiterungen des Stadt­bahn­netzes aus dem Westen der Landes­hauptstadt Hannover in das bestehende Netz integriert werden können?

2. Die Landeshauptstadt Hannover plant auf dem ehemaligen Conti-Gelände in Limmer einen neuen Stadt­teil mit bis zu 5000 Einwohnern. Wie soll diese »Wasser­stadt Limmer« mit öffentlichen Verkehrs­mitteln erschlossen und mit dem Stadt­bahn­netz verknüpft werden?

3. Insbesondere für die oberirdische D-Linie werden zahlreiche Absichten und Ziele des Nah­verkehrs­plans 2008 nicht erreicht und offen­kundig nicht mehr verfolgt. Der soeben mit einiger Verzögerung vorgelegte NVP 2014 wiederholt einige Ziele erneut, ignoriert jedoch auch zahl­reiche Anregungen und Wünsche der Bevölkerung. Wie stehen Sie zu den gesetzten Zielen der Nah­verkehrs­pläne und wie wollen Sie dabei die Beteiligung der Bürger in die Planung des öffentlichen Personen­nahverkehrs der Zukunft sicherstellen?

4. Die Stadt Hemmingen soll an den schienen­gebundenen öffent­lichen Personen­nah­verkehr der Landes­hauptstadt Hannover angebunden werden. Wie soll diese Verknüpfung mit dem Stadt­bahn­netz erfolgen?

5. Die S-Bahn ist ein Erfolgsmodell, operiert aber noch immer weitgehend unabhängig von der Stadt­bahn. Wie soll die Verknüpfung der S-Bahn mit der Stadtbahn und anderen öffentlichen Verkehrs­mitteln verbessert werden?

Lesen Sie hier die Antworten der verbliebenen Kandidaten, die uns bis zum 15.05 erreicht haben, und machen Sie sich für die Stichwahl zum Regions­präsidenten am 15.06. Ihr eigenes Bild.

Hauke Jagau (SPD)

Hauke Jagau (SPD)

1. Die üstra hat aktiv an der Entwicklung des Projekts Zehn-Siebzehn mitgewirkt. Die beschlos­sene Variante wurde gerade wegen ihrer großen Wirt­schaft­lich­keit und Zukunfts­fähigkeit von Rat und Regions­versammlung beschlossen.

2. Ob und in welcher Größe die Wasser­stadt Limmer realisiert wird, darüber werden die Gremien der Landes­haupt­stadt noch zu beschließen haben. Zuvor ist ein breiter Bürger­beteiligungs­prozess geplant. Die Planung für das Projekt Zehn-Siebzehn beinhaltet Optionen für eine Stadt­bahn-Anbindung der Wasser­stadt. Die Region wird sich deshalb in die Diskussion mit einbringen.

3. Die oberirdische Planung realisiert die Ziele des Nah­verkehrs­plans auf dem schnellsten und wirt­schaft­lichsten Weg. Wir kommen damit dem Wunsch vieler Menschen nach, die Strecke schnellst­möglich barriere­frei auszubauen und moderne silberne Bahnen einzusetzen.

4. Wenn der Bund endlich die Mittel für die neue B 3 freigibt, dann werden wir zügig mit dem Bau der Stadt­bahn nach Hemmingen beginnen. Hemmingen wird über eine eigene Linie im Zehn-Minuten-Takt angebunden werden. Das ist eine gewaltige Verbesserung für die Menschen in Hemmingen.

5. Wir möchten attraktive Verknüpfungs­punkte zwischen S-Bahn und Stadtbahn schaffen. Der Halte­punkt Linden-Fischerhof ist ein gutes Beispiel dafür, er wird hervor­ragend angenommen. Weitere geplante Über­gangs­punkte sind Döhrener Turm und perspek­tivisch Braun­schweiger Platz. Durch diese zusätzlichen S-Bahn-Haltepunkte wird die S-Bahn noch attraktiver für Fahrten innerhalb Hannovers.

Homepage von Hauke Jagau:
http://www.hauke-jagau.de

Axel Brockmann (CDU)

Axel Brockmann (CDU)1. Ich bekenne mich zu einer Variante, die Linie 10 ab Goethe­platz durch den A-Tunnel (über die Station Waterloo) bis zum Haupt­bahnhof fahren zu lassen. Die CDU-Fraktion Region Hannover hat sich eindeutig für diese Variante ausgesprochen.

Die Vorteile für die Fahrgäste liegen auf der Hand. Eine schnelle Ziel­erreichung der Haupt­umsteige­stationen Kröpcke und Haupt­bahnhof ist gegeben. Alle Experten und deren Gutachten halten diese Lösung für technisch problemlos und für eine kosten­günstige Variante. Sie wird nur aus rein ideolo­gischen und partei­politischen Gründen von Rot/Grün abgelehnt. Städte­baulich entstehen unnötige Umsteige­anlagen und es wird zu einem Verkehrs­chaos im gesamten Bereich Steintor und Kurt Schumacher Straße kommen.

Ich als Regionspräsident werde versuchen, gemeinsam mit dem Land und der Regions­versammlung zu einer besseren und kosten­günstigeren Lösung für die komplette D-Linie zu kommen.

2. Seit 15 Jahren plant die Stadt Hannover die Wasser­stadt Limmer, ohne die Bürger ausreichend zu beteiligen. Wenn die SPD nun eine Stadt­bahn­anbindung der Wasser­stadt fordert, dann ist das reiner Populismus. Über eine sinn­volle Anbindung dieses Groß­projektes an den ÖPNV ist offen­sichtlich nie richtig gesprochen worden. Das zeigt einmal mehr, dass die Zusammen­arbeit der Verwaltungs­spitzen von Landes­haupt­stadt und Region nur auf dem Papier steht. Das werde ich ändern. Ich werde alle Beteiligten an einen Tisch holen, um gemeinsam eine ziel­orientierte Lösung zu erarbeiten. Eine mögliche Lösung kann zurzeit nur die Verstärkung der vorhandenen Buslinien sein.

3. Ich habe mir den Nahverkehrsplan einmal genauer angesehen, für den Bürger ein Buch mit sieben Siegeln. Vielleicht wäre es sinnvoll, sich mehr auf realistische und in naher Zukunft umsetzbare Ziele zu konzentrieren, anstatt den Menschen immer neue Versprechungen zu machen, die nur sehr lang­fristig oder gar nicht umsetzbar sind. Wir müssen erst einmal die D-Linie, und zwar auf der gesamten Strecke, in einem Dialog mit den Fahr­gästen und Kunden zu Ende bringen. Dann können wir über neue wünschens­werte Projekte nachdenken. Bürger­beteiligung ist ein großes Thema für mich. Das Einbeziehen der tatsächlichen Interessen der Bürger muss noch weiter intensiviert werden.

4. Die neue Anbindung aus dem Westen (Hemmingen) ist nach Meinung von Fach­leuten von der Tunnel­lösung für die D-Linie zu trennen. Sie ist bei den vorhandenen Tunnel­kapazitäten möglich und ist ein wichtiger Baustein zur Komplettierung der Stadtbahn. Die Anbindung der Stadtbahn aus Hemmingen ist jedoch abhängig von dem Bau der Umgehungs­straße B3 in Hemmingen, der oberste Priorität hat.

5. Dies ist eine wichtige und vordringliche Aufgabe. Steigerungen bei den Fahr­gast­zahlen werden in der Zukunft nur erreicht werden, wenn wir diese beiden wichtigsten Massen­verkehrs­mittel für den ÖPNV optimaler verzahnen. Als Beispiel nenne ich die Umsteige­möglichkeit von der S-Bahn aus Richtung Springe/Barsing­hausen in die Stadt­bahn an der Hildes­heimer Straße. Die Qualität des ÖPNV zeigt sich nicht nur wie häufig die Züge fahren, sondern wie schnell und bequem ich ans Ziel komme. Hier schließt sich der Kreis zur ersten Frage. Die Fahr­gäste auf der D-Linie wollen keine Sightseeing-Linie, sondern eine schnelle Verbindung z. B. zur Arbeit oder zum Arzt. Zu einer ehrlichen Antwort gehört jedoch auch, dass zusätzliche Gleis­kapazitäten bei der S-Bahn geschaffen werden müssen.

Homepage von Axel Brockmann:
http://www.axel-brockmann.de